
Die Archäologische Sammlung der Universität Zürich befindet sich im Gebäude des Instituts für Archäologie, Klassische Philologie und Altertumswissenschaften (IAKA). Sie besteht aus zwei Bereichen auf drei Etagen. Im Erdgeschoss werden antike Originale gezeigt, im Ober- und Untergeschoss ist die Sammlung der Abgüsse antiker Skulpturen zu sehen. Gegründet wurde die Abguss-Sammlung im Jahr 1852. Sie diente ursprünglich rein als Lehrmittelsammlung für Studierende, denen damit die Gelegenheit zum Studium der Skulpturen ermöglicht wurde, ohne umfangreiche Reisen zu den verschiedensten Museen in Europa unternehmen zu müssen.
Ich besuche gerne solche Abguss-Sammlungen, weil sich oft durch das dichte Arrangement der Statuen und Büsten schön fotografieren lässt. Manchmal sind die Gebäude auch architektonisch interessant. Da ich im Januar in Zürich war, habe ich die Gelegenheit genutzt, die dortigen Abgüsse antiker Skulpturen zu besuchen und meine Liste der Beiträge über die Abguss-Sammlungen in Basel, Berlin, Bonn, Göttingen, Kiel, Mannheim und München zu erweitern.
In der oberen Etage, zwischen den Büros der Mitarbeitenden, steht beispielsweise der Abguss der bekannten Bronzestatue des Wagenlenker von Delphi, einige Statuen des Gottes Apollo und der Göttin Athena sowie der Abguss einer weiteren Bronzestatue, bekannt als Gott aus dem Meer. Hierbei handelt es sich um eine Darstellung von Zeus oder Poseidon. Das Original wurde beim Kap Artemision in Griechenland gefunden und wird im Archäologischen Museum in Athen ausgestellt. Dort beginnen demnächst umfangreiche Renovierungsarbeiten und Umbauten.
Die Statuen der Athena zeigen eine Athena aus der Marsyasgruppe des Bildhauers Myron, deren Marmorversion im Frankfurter Liebieghaus steht und nebeneinander eine sogenannte Kasseler Athena (mit dem Kopf der Athena Giustiniani und dem Körper der Athena Lemnia) die entsprechend ihres Namens in der Antikensammlung in Kassel zuhause ist und eine rekonstruierte Athena Lemnia, von der sich Kopf und Körper aus Marmor in Museen in Dresden und Bologna befinden.
Im Flur und in einem weiteren Raum am Ende sind weitere Objekte ausgestellt, unter anderem mehrere Amazonen Statuen, eine Aphrodite von Frejus und eine Statue des Kriegsgottes des Typus Ares Borghese.

Der Ausstellungsbereich der antike Originale zeigt mehrere römische Mosaike, unter anderem dieses spätantike Mosaikmedaillon mit der Darstellung der Thalassa. Einige Buchstaben des Namens sind noch weitgehend vollständig erhalten. Sie ist in der griechischen Mythologie die Verkörperung des Meeres. Das Bodenmosaik stammt vielleicht aus einer frühchristlichen Kirche im Hinterland der syrisch-palästinischen Küste.
Unter den Portraits und Büsten sind welche von Frauen aus dem römischen Orient, genauer gesagt aus der Karawanenstadt Palmyra, in der Ausstellung enthalten. Beide aus dem zweiten Jahrhundert. Ursprünglich waren sie Teil von Grabverschlussplatten. Die umfangreiche Sammlung im Louvre habe ich letztes Jahr gesehen. Gerade eröffnet die andere große Sammlung in der Kopenhagener Ny Carlsberg Glyptotek wieder. Das Porträt der Julia Titi, Tochter des flavischen Kaisers Titus, stammt aus dem ersten Jahrhundert und hat die üppige Frisur mit den aufgesteckten Korkenzieherlocken, die stilbildend für die Haarmode dieser Zeit war. In der großen Domitian-Ausstellung vor einigen Jahren in Rom waren mehrere solcher Frisuren zu sehen.

Das Untergeschoss enthält in einem langen Gang und mehreren Räumen den größten Teil der Objekte der Sammlung der Abgüsse antiker Skulpturen. Viele bekannte Statuen und Büsten wie der Faustkämpfer vom Quirinal und der Thermenherrscher, die kleine und die große Herkulanerin, die Venus von Arles und die Venus von Milo, Augustus von Primaporta, Büsten von Julius Cäsar, Marcus Aurelius, Pompejus Magnus, Cornelius Sulla und viele andere Skulpturen mehr.
Vorher noch nicht gesehen hatte ich die verkleinerte Rekonstruktion der Nike von Samothrake auf dem Schiffsbug. Das unvollständige Original der Marmorstatue im Pariser Louvre am Ende der großen Freitreppe hatte mich letztes Jahr sehr beeindruckend. Es symbolisiert den Sieg über eine feindliche Flotte. Hier zeigt die Gipskopie des 150 Jahre alten Modells von Otto Benndorf und Kaspar Zumbusch, nach dem Vorbild der Nike auf den Tetradrachmen-Münzen des Demetrios, wie die Siegesgöttin mit wiederhergestelltem Kopf und Armen ausgesehen haben könnte. In der rechten Hand hält sie eine Trompete, in die sie bläst. In der linken Armbeuge liegt eine Art Trophäenkreuz von einem feindlichen Schiff, dessen Stab sie mit der linken Hand hält. Wie viele Abguss-Sammlungen hat auch das das Institut für Archäologie, Klassische Philologie und Altertumswissenschaften eine Kopie der Nike von Samothrake. Sie steht im Hauptgebäude der Universität Zürich im sogenannten Lichthof.

Eine sehenswerte Sammlung, auch schön zum Fotografieren. Weitere Objekte wie vor allem die Kopie der Nike von Samothrake stehen im nahegelegenen Hauptgebäude der Universität Zürich. Einen kurzen Spaziergang entfernt erinnert der Grabstein des Lucius an das römische Erbe Zürichs. Zu guter Letzt: ein kurzes Video mit Impressionen der Abguss-Sammlung und zwei KI generierten Sequenzen gibt es auf meinem YouTube-Kanal.
Webseite der Archäologischen Sammlung der Universität Zürich und das Institut für Archäologie, Klassische Philologie und Altertumswissenschaften auf Google Maps.























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