
Im heutigen Baden-Württemberg existierten zur Römerzeit vom ersten bis zum vierten Jahrhundert zwei Provinzen: der Südosten des Landes gehörte zur Provinz Raetien, der Westen zu Obergermanien. Der Nordosten lag außerhalb des Imperium Romanum, dessen ständige Ausdehnung über den Rhein hinaus bekanntlich durch die Niederlage in der Varus-Schlacht scheiterte. Zahlreiche Orte Baden Württembergs von Aalen über Osterburken bis Waldmössingen haben eine zivile oder militärische römische Vergangenheit. Im Landesmuseum in Stuttgart werden verschiedene Aspekte des täglichen Lebens in einer Grenzprovinz des Römischen Reiches beleuchtet. Informationstafel und große Illustrationen ergänzen die ausgestellten Objekte.


Zur Sammlung LegendäreMeisterWerke gehören ein großer und sechs Kilo schwerer Silberring mit Stierkopfenden, der in der Nähe von Trichtingen entdeckt wurde. Aus welcher Zeit und welcher Region das Stück stammt, ist unklar. Der Stil weist nach Thrakien, vielleicht sogar nach Persien. Vergleichsfunde und Verzierungsdetails deuten auf eine Herstellung in Gallien hin. Mit seinem Gewicht war der Ring viel zu schwer, um von einem Menschen getragen zu werden. Vielleicht schmückte er stattdessen eine menschengestaltige Stele aus Holz.
Von einem Menschen getragen wurde der dreiteilige Gesichtshelm. Er besteht aus Kalotte, Gesichtsmaske und Visier. Ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen sitzt auf der Stirn, seitlich daneben sind Flügel und Schlangen dargestellt, womit der Eindruck eines Medusenhauptes erweckt wird. Helm wie dieser wurden von römischen Reitersoldaten bei Paraden und Turnieren getragen. Der Gesichtshelm aus Pfrondorf wurde im Jahre 1869 im Bereich der Mündung des Schwarzbaches in der Nagold gefunden. Er gehört ebenfalls zur Sammlung LegendäreMeisterWerke.
Das schöne Glaskännchen stammt vielleicht aus Köln, dem wichtigsten Zentrum der Glasherstellung in den germanischen Provinzen. Solche Erzeugnisse aus Glas waren begehrt und wurden trotz ihrer Zerbrechlichkeit über weite Strecken von Händler transportiert. In Baden-Württemberg konnte bislang nur in Riegel die Glasherstellung nachgewiesen werden. Vermutlich gab es aber kleinere Werkstätten, die hier den Bedarf an Alltagsware deckten.
Beim sogenannten Dodekaeder, einem Objekt mit zwölf Ecken, ist nicht bekannt, wofür es verwendet wurde. Eventuell nahm man damit astronomische Berechnungen vor. Die zwölf Seiten entsprächen dann den zwölf Monaten und die 30 Kanten den Tagen eines Monats. Der Dodekaeder im Landesmuseum Württemberg ist datiert auf das zweite oder dritte Jahrhundert. Er wurde in Stuttgart-Bad Cannstatt gefunden.
Gut bekannt ist dagegen, dass die römische Armee nicht nur kämpfte, sondern auch baute. Dafür betrieben sie auch Ziegeleien, und stempelten die produzierten Ziegel für militärische oder öffentliche Bauten mit der Nummern ihrer Einheiten. Gestempelt wurde auch bei der Qualitätsprüfung. Der Ziegel mit dem Stempel IVSTVM FECIT (Rechtens gemacht) stammt aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert und wurde bei Heilbronn gefunden. Sie wurden beim Trocknen des Tons vor dem Brennen aufgebracht und bestätigten Maße und Materialgüte.
Die Römer kannten eine exakte Zeitmessung und ein genaues Kalendersystem. Ihre Jahre zählten sie nach den jewels amtierenden Konsuln oder den Ämtern von Kaisern. Das Jahr war eingeteilt in zwölf Monate, die nach Göttern oder Persönlichkeiten benannt waren. Die Wochentage trugen Götternamen wie dies Lunae (Tag der Luna / Montag). Dabei waren drei Tage im Monat besonders hervorgehoben, der erste (an den Kalenden), der fünfte oder siebte (an den Nonen) und der 13. oder 15. (an den Iden). Der Altar eines Beneficiariers trägt das Datum seiner Aufstellung. Angegeben sind die in diesem Jahr amtierenden Konsuln sowie der Tag und der Monat: an den Iden des Januar im Jahr als Maximus und Aelianus Konsuln waren (13. Januar 233).
Gemessen wurden auch die Entfernungen. Meilensteine wie der im Landesmuseum Württemberg standen in regelmäßigem Abstand entlang der Straßen und gaben die Entfernung zur nächsten Siedlung an. Hier wird nach der Aufzählung kaiserlicher Titel die Entfernung bis Cambodunum, dem heutigen Kempten mit elf römischen Meilen, gut sechzehn Kilometer, angegeben.

Mehrere Zeichnungen im Landesmuseum Württemberg geben bildhafte Einblicke in die Antike. Sie stammen von dem Illustrator Benoit Clarys, der unter anderem auch die Bilder für die Berliner und Bonner Sonderausstellung Germanen – Eine archäologische Bestandsaufnahme gezeichnet hat.
Hier zeigt die Illustration die typische Kleidung der Bevölkerung. Die Frau trägt eine knöchellange Tunika als Unterkleid und darüber eine Stola, ein langes Kleidungsstück, das verheirateten, freien Bürgerinnen vorbehalten war. Die Palla, einen mantelartigen Umhang, hat sie über die Schultern drapiert. Der Mann in der Mitte trägt eine knielange Tunika, das Grundkleidungsstück für alle Römer. Darüber trägt er einen groben, halbkreisförmigen Mantel, der Paenula genannt wird. Der Mann rechts trägt eine Toga über seiner Tunika. Die Toga war ein sehr großes, halbkreisförmiges Stück Stoff, das das formelle Gewand der römischen Bürger war und nur von ihnen getragen werden durfte.
Webseite des Landesmuseum Württemberg in Stuttgart und auf Google Maps. Last but not least: Wo es ein Landesmuseum Württemberg gibt, muss es natürlich auch ein Badisches Landesmuseum geben. Mehr dazu auf meinem alten Blog.










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