
Unter Kaiser Hadrian wurde Itálica nahe Sevilla zu einer der prächtigsten Städte im Westen des Römischen Reiches ausgebaut. Breite Straßen, luxuriöse Wohnhäuser, riesige Thermen, ein monumentales Kaiserheiligtum und eines der größten Amphitheater des Reiches entstanden. Gebaut wurde mit kaiserlichem Geld und privaten Vermögen. Doch auch der Betrieb der Stadt, Feste und Gladiatorenspiele kosteten viel Geld. Eine in Itálica gefundene Bronzetafel zeigt, dass ein auf privater Großzügigkeit beruhendes Finanzierungssystem an seine Grenzen kommen konnte.
Wer heute die Ruinen von Itálica besucht, läuft vor allem durch eine Stadt aus der Regierungszeit Kaiser Hadrians. Das ältere Itálica lag etwas weiter südlich unter dem heutigen Santiponce. Hadrian ließ die Stadt im zweiten Jahrhundert erheblich erweitern. Die neue Stadt erhielt breite, rechtwinklig angelegte Straßen, großzügige Wohnhäuser und monumentale öffentliche Gebäude. Eine Rekonstruktionszeichnung von Arturo Redondo vermittelt einen Eindruck davon, wie Itálica damals ausgesehen haben könnte. Im Vordergrund liegt das gewaltige Amphitheater außerhalb der Stadtmauer. Dahinter erstreckt sich die neue Stadt mit ihren Häuserblöcken, Plätzen und öffentlichen Gebäuden. Im Zentrum fällt die große Tempelanlage auf.

Neuere Forschungen interpretieren diese hadrianische Erweiterung nicht einfach als besonders großzügiges Wohnviertel, sondern als Zeremonialstadt, in der vielleicht 8.000 bis 10.000 Menschen lebten. Die öffentlichen Anlagen waren für eine Stadt dieser Größe ungewöhnlich groß. Religiöse Feste, Prozessionen, Bankette, Theateraufführungen, sportliche Wettbewerbe und Gladiatorenspiele sollten zusätzlich Besucher aus der Umgebung und wohl auch aus weiter entfernten Teilen des Reiches anziehen. Trajan und Hadrian waren die ersten römischen Kaiser, deren Familien aus einer Provinz des Reiches stammten. Itálica erhielt unter Hadrian den Status einer Kolonie und hieß fortan Colonia Aelia Augusta Italica. Hadrian unterstützte nicht nur seine Heimatstadt, sondern förderte während seiner Regierungszeit zahlreiche Städte im Römischen Reich mit öffentlichen Bauten und Infrastruktur. Für Itálica fiel diese Förderung besonders großzügig aus.
Wie aufwendig die neue Stadt war, erkennt man noch heute an den Straßen. Sie waren ungewöhnlich breit, teilweise von Säulenhallen gesäumt und besaßen unter der Fahrbahn ein Kanalisationssystem. Öffentliche Latrinen waren daran angeschlossen. Unter den Sitzbänken floss das Abwasser durch gemauerte Kanäle ab. Noch aufwendiger waren die großen Thermen. Die sogenannten Großen Thermen umfassten rund 32.000 Quadratmeter. Zur Anlage gehörten unter anderem Warm- und Kaltbäder, Schwitzräume, ein großes Schwimmbecken und eine weitläufige Palaestra für sportliche Übungen. Solche Gebäude mussten nicht nur errichtet werden. Wasser musste herangeführt, Räume beheizt, Anlagen gereinigt und Gebäude instand gehalten werden. Monumentale Architektur verursachte auch nach ihrer Fertigstellung erhebliche Kosten.
Daneben gab es den privaten Reichtum der Einwohner. Einige der Häuser in der neuen Stadt nahmen fast einen ganzen Häuserblock ein. Fußböden waren mit aufwendigen Mosaiken geschmückt. Das bekannte Planetenmosaik zeigt in sieben Medaillons Saturn, Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter und Venus. Nach diesen sieben Gestirngottheiten wurden später auch die Wochentage benannt. Auch kleinere Mosaiken zeigen den Aufwand, der bei der Ausstattung betrieben wurde. Marmor, Mosaiken und Skulpturen waren nicht nur schön anzusehen. Sie zeigten den Wohlstand und gesellschaftlichen Rang ihrer Besitzer.
Private Wohltätigkeit und ihre grenzen
Im öffentlichen Raum funktionierte Repräsentation ähnlich. Wohlhabende Bürger und Bürgerinnen stifteten Thermen und Theater, finanzierten Feste oder Gladiatorenspiele und übernahmen Kosten, die heute eher der öffentlichen Hand zugerechnet würden. Das steigerte ihr Ansehen und beförderte politische Karrieren und Einfluss. Historiker bezeichnen diese Form der privaten Wohltätigkeit in der Antike als Euergetismus. Das Prinzip begegnet einem in römischen Städten immer wieder. Für die Zuschauer waren Gladiatorenspiele ein öffentliches Vergnügen. Für diejenigen, die sie finanzieren mussten, waren sie eine erhebliche Ausgabe. Gladiatoren mussten rekrutiert, ausgebildet, untergebracht und verpflegt werden. Ihre Besitzer, die Lanistae, vermieteten oder verkauften ihre Kämpfer an die Veranstalter.
Eine im Jahr 1888 in Italica gefundene große Bronzetafel zeigt uns, dass das System der privaten Wohltätigkeit an seine Grenzen stoßen konnte und eine staatliche Regulierung notwendig machte. Die Tafel befindet sich heute im Archäologischen Museum in Madrid, eine Nachbildung an den Ruinen des Amphitheaters. Der darauf erhaltene Text wird meist als Senatsbeschluss zur Senkung der Preise für Gladiatoren (CIL II 6278) bezeichnet. Sie stammt aus der gemeinsamen Regierungszeit von Mark Aurel und Commodus und wird meist auf das Jahr 177 datiert. Sie griffen an drei Stellen in die Finanzierung der Gladiatorenspiele ein.

1. Höchstpreise für Gladiatoren: Der Senatsbeschluss teilte Gladiatorenspiele nach ihrem Gesamtbudget in mehrere Größenklassen ein. Das reichte von Kleinstveranstaltungen, die weniger als 30.000 Sesterzen kosten durften, bis hin zu Kämpfen, für die die Veranstalter mehr als 200.000 Sesterzen ausgeben mussten. Dabei umfassten die Budgets nicht nur die Kosten der Gladiatoren selbst, wenngleich diese den Löwenanteil ausmachten. Aber auch Organisation und Personal, die Bühnentechnik der Arena, vielleicht Tiere und andere Bestandteile des Programms mussten finanziert werden. Während bei den Kleinstveranstaltungen keine Spitzengladiatoren auftraten, kostete die Miete eines Top-Gladiators bei größeren Gladiatorenspielen zwischen 5.000 und 15.000 Sesterzen, je nach Gesamtbudget. Bis zu diesen Preisen konnten die Lanistae, die Inhaber von Gladiatorenschulen, ihre Kämpfer den Veranstaltern von Gladiatorenkämpfen anbieten. Der Betrag wurde aber nur vollständig fällig, wenn der Gladiator im Kampf getötet wurde. Überlebte der Kämpfer, was überwiegend der Fall war, fiel nur ein geringerer Betrag an, der zwischen Veranstalter und Lanista frei ausgehandelt wurde. Die Bronzetafel gibt über diese Einsatzgebühr keine Auskunft. Die Altertumswissenschaftler Michael Carter und Ceballos Hornero nehmen Werte von 20 Prozent des regulierten Höchstpreises an. Daneben regelte der Beschluss auf der Bronzetafel auch die persönliche Vergütung der Kämpfer: Ein freier Gladiator erhielt ein Viertel, ein versklavter ein Fünftel der zwischen Veranstalter und Lanista vereinbarten Einsatzgebühr. Wurde ein versklavter Spitzengladiator beispielsweise für 15.000 Sesterzen angemietet und überlebte den Kampf, dann erhielt er – bei einer Einsatzgebühr von 20 Prozent des Höchstpreises – 600 Sesterzen. Rechtlich blieb dieses Geld für einen Sklaven Eigentum seines Besitzers. Faktisch konnte er das Geld aber als Teil seines Peculium nutzen und ansparen.
2. Zusammensetzung der Truppe: Der Senatsbeschluss regulierte die Gladiatorenspiele noch mit einem weiteren Eingriff. Er legte fest, dass mindestens die Hälfte der angemieteten Gladiatorentruppe aus günstigeren Gregarii bestehen musste, die – je nach Gesamtbudget – mit höchstens 2.000 Sesterzen berechnet werden durften. Hatte ein Lanista nicht genügend solcher Kämpfer, so der Senat, musste er außerdem besser eingestufte Gladiatoren zum niedrigeren Tarif bereitstellen. Die Einstufung der Gladiatorenspiele nach ihrem Gesamtbudget in mehrere Größenklassen war nämlich keine Budgetdeckelung, sondern legte erst einmal nur Preisgrenzen für die verschiedenen Klassen von Gladiatoren fest. Neben dem Typus eines Gladiators spielte dessen Ausbildungsstand und Kampferfahrung eine Rolle. Schlaue oder gierige Lanistae hätten versucht, dem Veranstalter der Spiele möglichst viele – echte oder vermeintliche – teure Spitzenkämpfer zu vermieten. Das hätte einerseits die Kosten für den Veranstalter nicht gesenkt, andererseits aber die Anzahl der Gladiatoren reduziert und dem Publikum weniger attraktive Kämpfe beschert. Attraktive Gladiatorenspiele zeichneten sich durch viele Kämpfer aus, mit einem oder wenigen berühmten Stars oder Publikumslieblingen darunter.
3. Abbau der fiskalischen Belastung: Auch der Staat trug zur Verteuerung der Spiele bei. Die kaiserliche Finanzverwaltung bezog erhebliche Einnahmen aus dem Gladiatorengeschäft, nach einer verbreiteten Interpretation durch eine Abgabe von einem Viertel oder einem Drittel. Allerdings ist nicht ganz klar, worauf sich dieser Anteil bezieht. Vielleicht auf die Gesamtkosten einer Gladiatorenveranstaltung, vielleicht nur auf die Kosten, die mit dem Einsatz der Gladiatoren verbunden waren. Die Bronzetafel nennt eine Summe von 20 bis 30 Millionen Sesterzen, auf die Mark Aurel und Commodus verzichteten. Möglich ist allerdings, dass in dieser Summe auch eigene Einnahmeverluste enthalten sind, weil auch kaiserliche Gladiatorenschulen Gladiatoren lieferten und die neue Preisregulierung deren Erlöse entsprechend senkte. Letztlich wurden jedoch dadurch die Kosten für die Veranstalter gesenkt. Und auch den Lanistae wurde die neue Regelung schmackhaft gemacht, da ihnen ein Teil ihrer Altschulden erlassen wurde. Die Historiker James Oliver und Robert Palmer schreiben von insgesamt mehr als fünf Millionen Sesterzen. Offenbar war der Altschuldenerlass seinerzeit nicht unumstritten, denn auf der Bronzetafel wird auch ein Auszug aus der Debatte im Senat wiedergegeben: „Für welche Verdienste, frage ich euch“, wird ein Redner zitiert (erhalten die Besitzer von Gladiatorenschulen solche Vergünstigungen). „Für keinerlei Verdienste“ liefert der Senator die Antwort gleich mit. Einerseits lastete man ihnen die aus dem Ruder gelaufenen Kosten an, andererseits waren die Lanistae für die Durchführung der Spiele unverzichtbar und mussten nach der Reform zu niedrigeren Preisen arbeiten.
Der Senatsbeschluss zur Senkung der Preise für Gladiatoren ist nicht nur ein interessantes antikes Dokument. Die Argumentation und die Gedanken hinter den Beschlüssen könnten fast lehrbuchhaft aus der modernen Schule der Neuen Institutionenökonomik stammen. Darunter versteht man einen Ansatz, der menschliches Verhalten durch Gesetze, Anreize oder Normen lenken will. Im Studium habe ich mich damit beschäftigt und seitdem immer wieder damit gearbeitet.
Die Ruinen des Amphitheaters selbst auf dem archäologischen Gelände von Itálica gehören nicht zur Liga der heute noch eindrucksvollen Bauten wie in Rom, Verona, Nîmes oder El Jem. Vom Fassungsvermögen her war es jedoch eines der größten Amphitheater des Römischen Reiches, mit vermutlich 25.000 bis 35.000 Plätzen. Der Bau begann sehr wahrscheinlich unter Kaiser Hadrian, gleichzeitig mit der großen nördlichen Stadterweiterung. Das Amphitheater lag außerhalb der Stadtmauer, rund 300 m nördlich eines Stadttores. Der Bau bestand wesentlich aus römischem Beton, der mit Werkstein verblendet und in repräsentativen Bereichen mit Marmor ausgestattet war. Das Publikum saß auf mehreren übereinanderliegenden Rängen, von denen heute vor allem der untere und Teile des mittleren Bereichs erhalten sind.
Das große offene Rechteck, das man heute in der Mitte der Arena sieht, war in der Antike nicht offen. Darüber lag ein Holzboden. Darunter befand sich die sogenannte fossa bestiaria, ein langgestreckter Keller- und Funktionsbereich. Hier wurden Einrichtungen für die Spiele untergebracht, vor allem Tiere und ihre Käfige. Im Ziegelboden sind noch Spuren der Käfigkonstruktionen nachweisbar. Über technische Vorrichtungen konnten Tiere zur Arena hinaufgebracht werden. An den Enden der Längsachse lagen zwei besonders wichtige Zugänge zur Arena. Im Osten befand sich die Porta Triumphalis, durch die die Gladiatoren und andere Beteiligten in die Arena einzogen. Im Westen lag die Porta Libitinaria. Durch das Tor, das seinen Namen von Libitina, der römischen Göttin des Todes, hatte, wurden die Gefallenen abtransportiert. Aus dem römischen Corduba sind viele Grabinschriften von Gladiatoren überliefert.
Stabilität durch staatliche regulierung
Am Ende meines Beitrages habe ich mich gefragt, ob die kaiserlichen Eingriffe in das System der Finanzierung von Gladiatorenspielen erfolgreich waren. Die Bronzetafel enthält auch einen Teil der Aussprache der Senatoren. Hier berichtet ein Redner von einem Provinzialpriester in Gallien, der nach seiner Ernennung sein Vermögen bereits verloren glaubte. Die mit seinem Amt verbundene Finanzierung der Spiele belastete ihn so stark, dass er beim Kaiser um Hilfe nachsuchen wollte. Nach Bekanntwerden der Reform zog er seinen Einspruch zurück: Die Kaiser hätten, so lässt ihn der Redner sagen, die ganze Last beseitigt, die mein Vermögen bedrückte. Nun wolle er Priester sein und begrüße sogar die Ausrichtung öffentlicher Gladiatorenspiele, die er zuvor verabscheut habe. Der Redner verallgemeinert das Beispiel anschließend. Die Kaiser hätten damit den ins Wanken geratenen Zustand der Städte und die dem Ruin entgegenstürzenden Vermögen der führenden Männer wiederhergestellt.

Die Göttin trägt eine Mauerkrone und verkörpert damit die Stadt und ihre Gemeinschaft. Sie steht für Wohlstand, Schutz und das Wohlergehen der Civitas. Eine römische Stadt lebte davon, dass ihre Bürger und vor allem ihre Eliten bereit und in der Lage waren, das öffentliche Leben dauerhaft zu finanzieren. Wo diese Belastungen zu groß wurden und ein auf privater Wohltätigkeit beruhendes Finanzierungssystem an seine Grenzen kam, musste der römische Staat selbst eingreifen. Dieser Ansatz wirkt im Prinzip der Subsidiarität bis heute beispielsweise im Bereich der Freien Wohlfahrtspflege fort.
Webseite der Archäologischen Ausgrabungsstätte Itálica und auf Google Maps.













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