Seit zehn Jahren erklärt Katja Berlin wöchentlich den ZEIT-Lesern die Welt: in Diagrammen, den Torten der Wahrheit findet sie überraschende und oft erhellende Antworten auf große Fragen. Mich hat das inspiriert und jetzt wage ich mich in dieser Art mal an große Fragen zur Antike. Heute: Wie konnten die Römer in so kurzer Zeit das Kolosseum bauen und was wollten Gladiatoren?

Die Römer bauten das heute Kolosseum genannte flavische Amphitheater in acht Jahren zwischen 72 und 80. Es hatte 50.000 Sitzplätze und 80 Eingänge. Für viele bauliche und technische Herausforderungen musste sich der Baumeister neue Lösungen einfallen lassen. Die zur Verfügung stehende Technik war begrenzt. Als Arena für Gladiatorenkämpfe war das Kolosseum dann fast 450 Jahre lang in Betrieb. Eine erstaunliche Leistung.

Ich hege Zweifel, dass unsere Nachfahren, das auch über unsere Bauprojekte werden sagen können. Berlins Pergamonmuseum beispielsweise wird 25 Jahre mehr oder weniger geschlossen gewesen sein, bis die Sanierung vollständig abgeschlossen ist. Das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 in Baden Württembergs Landeshauptstadt trägt offenbar die Jahre der Bauzeit im Namen: 21. Vielleicht soll das aber auch heißen, dass der Bahnhof im 21. Jahrhundert bestimmt fertig wird. Warum dauert das heute so lange und wie haben die Römer in kurzer Zeit das Kolosseum gebaut?

In den Amphitheatern der römischen Welt fanden mehrere hundert Jahre lang Gladiatorenkämpfe statt. Gladiatoren traten in verschiedenen Waffengattungen und unter Aufsicht von Schiedsrichtern zu regulierten Zweikämpfen an. Die Kämpfe waren blutig, nicht immer tödlich. Gladiatoren verkörperten römische Tugenden wie Siegeswille, Todesverachtung und Tapferkeit. Sie waren Teil einer populären Kultur, manche Kämpfer wurden berühmt, gleichzeitig waren sie in der sozialen Hierarchie der römischen Gesellschaft noch niedriger angesiedelt als Sklaven. Wenige Gladiatoren wurden dies aus freien Stücken. Was werden sie gewollt haben?

Warum Panis Veritatis?

Als Anlehnung und Hommage an die Torten der Wahrheit von Katja Berlin nenne ich meine Schaubilder mit den Kreisdiagrammen zu Themen der Antike Panis Veritatis – das römische Brot der Wahrheit.

Wer schon einmal die Ausgrabungen von Pompeji besucht hat, kennt vielleicht die berühmten, beim Vesuvausbruch verkohlten Brotlaibe. Das weit verbreitete alltägliche Brot der Römer, der sogenannte Panis quadratus, sah nämlich exakt so aus wie ein Tortendiagramm: Es war rund und vor dem Backen wurde der Teig kreuzförmig eingedrückt, damit vier oder acht gleich große Tortenstücke entstanden, die man später leicht brechen konnte. Für zwei Asse (sozusagen das antike Kleingeld) bekam man an jeder Straßenecke einen Laib, der die Grundlage der täglichen Ernährung bildete. Die Archäologin Farrell Monaco erklärt auf ihrem Blog, wie es hergestellt wurde.

Rekonstruktionen von Waffen und Ausrüstungsgegenständen im Kolosseum in Rom.

Wer sich weniger für Brot interessiert, aber mehr über das antike Gladiatorenwesen erfahren möchte: Noch bis zum dritten Mai läuft in der Archäologischen Staatssammlung in München die Ausstellung Gladiatoren – Helden des Kolosseums. Highlights der Ausstellung sind originale römische Ausrüstungen von Gladiatoren aus der Gladiatorenschule von Pompeji sowie lebensechte Rekonstruktionen und Modelle.

2 Kommentare zu „Panis Veritatis – die Torten der Wahrheit zur Antike“

  1. Avatar von Sybille Demmer
    Sybille Demmer

    Die Idee gefällt mir sehr gut und ich bin an weiteren Folgen sehr interessiert. Vielen Dank!

    1. Avatar von Dr. Stefan Nährlich

      Vielen Dank für das freundliche Feedback Frau Demmer. Es wird bestimmt noch weitere Panis Veritatis geben. Beste Grüße, Stefan Nährlich

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