
Unsere Euro-Banknoten bekommen einen neuen Look! Designerinnen und Designer aus ganz Europa haben unsere Banknoten neu interpretiert, und einer ihrer Entwürfe wird künftig das Aussehen der Euro-Banknoten bestimmen, schreibt die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer Homepage. Bis zum 21. September 2026 können alle EU-Bürgerinnen und Bürger darüber abstimmen.
Über Geschmack lässt sich nicht streiten, sagt eine bekannte Weisheit, dennoch tun wir es tagtäglich. Angesichts der Designentwürfe möchte man ausrufen: Schön geht anders! Daher habe ich mir meine eigenen Gedanken gemacht, wie meine Favoriten für neue Euro-Geldscheine aussehen sollten und ChatGPT angeworfen.

Wie das mit spontanen Ideen eben so ist, sind sie nicht immer ganz durchdacht. Dass Ägypten sich jetzt auf einem Euro-Schein wiederfinden soll, kann nur Antikenbegeisterten passieren. Und Britannien? Na gut. Da denken Freunde des Römischen Reiches vielleicht auch eher an den ersten Brexit im Jahr 286, als sich Carausius mit seinem britannischen Sonderreich selbstständig machte.
Mein Auftrag an ChatGPT war: Entwerfe neue Euro-Geldscheine im Wert von 5, 10, 20, 50, 100, 200 Euro mit Motiven von Cleopatra, Vercingetorix, Boudica, Arminius, Marcus Aurelius, Kaiser Augustus und Symbolen wie Thermen, Aquädukten, römische Straßen, Amphitheatern usw. Das hat die KI dann auch gemacht und sechs optisch ganz ansprechende Motive geliefert. Die habe ich mehrmals überarbeitet, um diese finalen Entwürfe zu bekommen. Da ich die Scheine ja nicht in Umlauf bringen will, habe ich auf eine Rückseite verzichtet. Oder anders gesagt: Vorder- und Rückseite sind identisch.
Was habe ich überarbeitet
Bei fast allen Entwürfen der neuen Euro-Geldscheine passten die antiken Persönlichkeiten und ihre Herkunftsländer nicht oder nicht ideal zu weiteren architektonischen Symbolen. So spannte sich ursprünglich neben dem Bild der ägyptischen Königin Cleopatra ein großer Aquädukt über einen Fluss. Nicht gerade das, woran man als Erstes bei der Kornkammer des Imperiums denkt.
Während die historische Einordnung als Königin von Ägypten, die von 69 bis 30 vor Christus lebte, korrekt ist, hat die KI das Motto Strength in unity • freedom in courage (Stärke durch Einheit, Freiheit durch Mut) ausgewählt. Typisch künstliche Intelligenz im Jahr 2026. Ein Sinnspruch, der immer irgendwie geht, den sich mancher in jungen Jahren vermutlich gerne mal als Tattoo stechen lassen würde, hier aber völlig sinnfrei ist. Stattdessen habe ich die Formulierung von Cicero über Roms erste Kornkammer, Sizilien, gewählt und ChatGPT Nutrix Plebis Romanae setzen lassen, was so viel wie Amme des römischen Volkes bzw. Versorgerin der römischen Unterschicht bedeutet. Illustriert hat die KI das dann wie von mir gefordert mit einer Hafenszene mit Getreideschiff und dem Leuchtturm von Alexandria. Bei der Formel Roma Aeterna • Res Publica • Pietas • Fides • Virtus stand ursprünglich Viae (Straßen) statt Pietas, was auch geht, in dem Kontext der Tugenden aber nicht ideal ist.
Am Ende habe ich die Darstellung von Cleopatra ändern lassen und dafür genaue Angaben gemacht: Ändere die Darstellung der Person wie folgt: Ihr dunkles Haar ist in einer klassischen griechischen Melonenfrisur gestylt und im Nacken zu einem Knoten gebunden. Sie trägt ein feines weißes Leinengewand (Chiton) mit purpurnen und goldenen Stickereien am Saum. Ihr Schmuck besteht aus einem schmalen goldenen Stirnband (Diadem) im Haar, großen Perlenohrringen und einem schweren altägyptischen Brustkragen aus Gold, der mit Smaragden und Lapislazuli besetzt ist. Majestätischer Gesichtsausdruck. Alle Farbangaben in den Schattierungen des Geldscheins darstellen. So sehen der erste und der letzte Entwurf dann aus.
Für die Darstellung des Forum Romanum auf dem Geldschein mit Augustus habe ich eine bildliche Rekonstruktion des antiken Forums in die KI geladen. Sehr häufig sehe ich auf YouTube in KI-generierten Videos und Bildern zu antiken Szenen statt der intakten Gebäude die uns heute bekannten Ruinen. Und die KI kennt sie durch die Trainingsdaten natürlich auch und ist nicht in der Lage, aus dem Kontext zu erkennen, dass nicht die Ruinen, sondern ein intaktes Gebäude dargestellt werden soll. Die künstliche Intelligenz ist eben (noch) nicht intelligent, sondern erkennt Muster und Wahrscheinlichkeiten.
Einziger Problemfall, damals wie heute, ist Arminius. Der Geldschein mit ihm weist immer noch zwei Fehler und eine unschöne Umsetzung auf. Statt durchgehend die Zahl 50 zu setzen, hat die KI an einer Stelle nur eine 5 platziert. Eine Schulter von Arminius ist nicht vollständig dargestellt und hat eine Aussparung für den Reitersoldaten im Hintergrund. Und schließlich hat das Pferd des zweiten Reiters mehr als vier Beine. Sie stammen noch von einem ursprünglich weiteren Reitersoldaten. Nach mehr als zehn Korrekturversuchen habe ich schließlich aufgehört. Immer wenn es eine Verbesserung an einer Stelle gab, entstand woanders ein Fehler bzw. eine schlechtere Umsetzung.
Insgesamt hat die künstliche Intelligenz bei der Bildgenerierung sehr große Fortschritte gemacht, auch bei den nicht auf Bildgenerierung spezialisierten Modellen. Vor einem Jahr war die fehlerfreie Darstellung von Text auf Bildern noch nicht die Regel. Irgendwann wird auch die Darstellung eines Reiters der römischen Hilfstruppen im Grenzgebiet zu Germanien im ersten Jahrhundert auf Anhieb historisch korrekt sein.
Neue Euro-Geldscheine zu entwerfen ist in der Realität natürlich nicht so einfach. Dass die EZB-Entwürfe schlichter und unspezifischer daherkommen, hat auch mit der Umsetzbarkeit und der gesellschaftspolitischen Akzeptanz zu tun. Mit Augustus auf dem 200-Euro-Schein könnten sich vielleicht noch alle anfreunden. Ob die Franzosen akzeptieren würden, dass die Briten – obwohl das Vereinigte Königreich nicht einmal mehr EU-Mitglied ist und auch während seiner Mitgliedschaft eine eigene Währung hatte – ihren Platz auf einem Geldschein mit höherem Nennwert haben? Und was würden eigentlich Spanier oder Griechen sagen? Und kann man Arminius und Co. überhaupt als große Europäer gelten lassen?
Danke fürs Lesen. Möge Fortuna stets mit Dir sein.
2 Kommentare zu „Von Augustus bis Vercingetorix: Entwürfe für die neuen Euro Scheine“
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Klasse, da macht ja Geld richtig Spaß! Steckt ne Menge Arbeit drin, auch wenn KI hilft. Viele Grüße zum Sonntag und danke für den Newsletter, Judith
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Das freut mich sehr! Vielen Dank und viele Grüße, Stefan
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