
Corduba war die Hauptstadt der Provinz Hispania Baetica und eine wohlhabende, von Handel und Landwirtschaft geprägte Stadt mit politischem Gewicht und monumentaler Architektur. Architektur. Nach der Gründung wohl um 152 vor Christus durch den römischen Konsul Claudius Marcellus wurde die Stadt im Jahr 45 vor Christus während des Bürgerkrieges durch die Truppen von Julius Caesar verwüstet. Augustus gründete sie später als Colonia Patricia Corduba neu. In dieser Zeit entstanden neue Foren, ein Aquädukt und ein Theater. Später kamen unter den Kaisern Claudius und Domitian Tempel, Wagenrennbahn, Amphitheater und ein weiteres Aquädukt hinzu. Das meiste davon ist heute nicht mehr sichtbar. Einige Spuren sind aber noch im Stadtbild und im archäologischen Museum Córdobas zu finden.
Spuren im Stadtbild
Die Römische Brücke über den Fluss Guadalquivir ist eines der markantesten Motive im Stadtbild Córdobas. Hier stand bereits zu Zeiten des Römischen Bürgerkrieges zwischen Cäsar und Pompejus eine Brücke aus Holz. Vermutlich unter Augustus wurde dann die 310 Meter lange Steinbrücke mit ihren 17 Bögen gebaut, die die Provinzhauptstadt mit dem südlichen Hispanien verband. Über die Jahrhunderte wurde sie mehrfach zerstört, repariert und umgebaut. Die moderne Forschung hält nur wenige sichtbare Steinlagen am rechten Ende der Brücke unter dem Festungsturm aus dem Mittelalter für eindeutig römisch. Bis zum Bau einer weiter flussabwärts gelegenen Brücke im Jahr 1954 war die Römerbrücke der einzige Übergang Córdobas über den Fluss. Seit der letzten Restaurierung zwischen 2006 und 2008 dürfen nur noch Fußgänger die Brücke überqueren.

Der Tempel an der Straße Claudio Marcelo ist vielleicht der Ort, an dem man im Stadtbild am stärksten spürt, dass Córdoba einmal eine römische Großstadt war. Seine hohen Säulen stehen heute zwischen modernen Häusern. Der Tempel war in der Antike kein Einzelmonument, sondern gehörte zu einem repräsentativen Bereich der Stadt. Er war Teil einer größeren Anlage mit öffentlichen Plätzen und Wagenrennbahn. Nach heutigem Forschungsstand gehört dieser Baukomplex zur dritten und letzten großen Phase der Monumentalisierung des römischen Córdoba. Seine Gestaltung steht in der Tradition italischer Heiligtümer, wie sie sich in Rom selbst im südlichen Bereich des Palatin erhalten haben. Kurz: Der Tempel steht für die monumentale Selbstdarstellung Cordubas als Hauptstadt der Provinz und für den Kaiserkult.
An anderer Stelle in der Stadt wurden Mitte der 1990er Jahre zwei römische Grabmonumente ausgegraben. Einer der Baukörper wurde rekonstruiert. Die Bauform dieser Mausoleen — ein zylindrischer Baukörper, der von einem Grabhügel bekrönt wurde — folgt italischen Vorbildern. Am bekanntesten ist sicher das deutlich größere Mausoleum des Augustus in Rom. Das Grabmonument von Córdoba war die letzte Ruhestätte einer wichtigen Persönlichkeit der Gesellschaft der Colonia Patricia. Sein Name ist nicht bekannt. Der Bau wird in die Regierungszeit des Kaisers Tiberius datiert. Als Teil einer alten Nekropole lagen die Grabmonumente außerhalb des ummauerten Stadtgebiets, gegenüber dem westlichen Stadttor des römischen Corduba. Die Straße führte weiter über Astigi und Italica bis nach Hispalis, dem heutigen Sevilla. Auch Überreste des römischen Straßenpflasters wurden freigelegt.
Nicht aus der Antike stammt die Seneca-Statue nahe dem mittelalterlichen Stadttor Puerta de Almodóvar. Der spanische Bildhauer Amadeo Ruiz Olmos hat sie geschaffen und seit 1965 erinnert sie an einen berühmten Sohn der Stadt: Lucius Annaeus Seneca, geboren in Corduba, Philosoph, Politiker und Erzieher des späteren Kaisers Nero. Aus seiner Schrift Vom glücklichen Leben stammt ein schönes Zitat zum Thema Spenden, das ich gerne verwende.
Auch das Sonnensegel in der Altstadt Córdobas hat römische Wurzeln. Schon römische Städte kannten textile Beschattungen — von einfachen Vela bis zum großen Velarium über den Amphitheatern. Man zog die Stoffstreifen zwischen den gespannten Seilen auf, wenn die Sonne brannte. Nicht nur Ruinen, auch Ideen und praktische Lösungen sind Teil des Erbes Roms und sie verbreiten sich damals wie heute. Inzwischen ist es zeitweise auch in den Städten Germaniens ziemlich heiß.
Das Archäologische Museum
Wer das römische Erbe Cordubas sucht, muss ins Archäologische Museum der Stadt gehen. Es ist nicht nur wegen seiner Sammlung wichtig. Unter dem Museum liegen auch Reste des römischen Theaters. Das Theater zeigt, welche Dimensionen Corduba hatte. Es war keine kleine Provinzstadt, sondern eine Stadt mit großen öffentlichen Bauten. Theater, Tempel, Amphitheater, Straßen, Grabmonumente – das alles gehörte zu einem urbanen Stadtbild, von dem heute kaum noch etwas zu sehen ist.

Zu den besonders eindrucksvollen Museumsobjekten gehören die sogenannten Efebos de Pedro Abad, zwei römische Bronzefiguren aus dem Umland von Córdoba. Sie werden als apollinischer Jüngling und dionysischer Jüngling bezeichnet und stammen aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert. In ihren Händen trugen sie einst Öllampen und beleuchteten damit Bankette im Speisezimmer einer römischen Villa. Auch im Museum von Antequera befindet sich solch ein stummer Diener. Insgesamt sind Bronzen aus der Antike jedoch selten erhalten geblieben, was sie für Sammler wertvoll macht. Die beiden Statuen sollten für sechs Millionen Euro auf dem Schwarzmarkt verkauft werden, als die spanische Polizei im Jahr 2012 den Handel aufdeckte.
Neben weiteren Marmorstatuen wie einer kauernden Venus zeigt das Archäologische Museum Büsten von lokalen Eliten und Kaisern. Besonders interessant ist das Porträt des Clodius Albinus, eines römischen Gegenkaisers aus dem zweiten Vierkaiserjahr. Gesichert ist diese Zuschreibung jedoch nicht, sie erfolgte lediglich durch den Vergleich mit anderen Bildnissen von Albinus. Die Büste wurde im Bereich des antiken Forums von Corduba gefunden. Ich frage mich, warum sie dort stand. Albinus stammte aus dem heutigen Tunesien und machte Karriere als Senator, Heerführer und späterer Gegenkaiser. Sein politisches Machtzentrum lag vor allem in Britannien und später in Gallien, nicht in Spanien oder Corduba. Und schließlich befindet sich hier das Original des Mithras-Reliefs aus Cabra. Über das dortige Mithräum habe ich bereits geschrieben.
Córdoba und die Gladiatoren
Der vielleicht interessanteste Teil des römischen Erbes von Córdoba verbirgt sich hinter kleinen gemeißelten Buchstaben einiger Steinplatten. Die Vielzahl der Inschriften gibt einen Hinweis darauf, dass Córdoba einer der wichtigsten Orte für das Gladiatorenwesen im römischen Spanien war. Vom Amphitheater unter dem heutigen Gebäude der Universitätsverwaltung ist im Stadtbild nichts mehr zu sehen. Hier fanden in der Antike die Kämpfe und Tierhetzen statt. Vielleicht lag in der Nachbarschaft sogar eine kaiserliche Gladiatorenschule. Zumindest wird dies in Fachkreisen diskutiert, da man eine Inschrift fand, die Cursor, einen Trainer der Kämpfer mit Netz und Dreizack, belegt.
Überhaupt machen für mich solche Namen die Geschichte erst lebendig. Die Inschriften sprechen nicht allgemein von „Gladiatoren“, sondern von einzelnen Menschen, hier Männern: Actius, Probus, Amandus, Ampliatus, Ingenuus, Faustus, Satur, Bassus und andere. Zusätzlich wird der Gladiatorentyp genannt, die Herkunft, das Alter, die Zahl der Kämpfe oder Siege. Viele kämpften als Murmillo, kamen aus Germanien, Griechenland, Syrien, Ägypten, Italien. Die meisten starben, bevor sie 30 Jahre alt waren. Oft erfährt man auch, wer das Grab gesetzt hat: Ehefrauen, Brüder, Kameraden oder die Gemeinschaft der Gladiatoren.

Im Archäologischen Museum von Córdoba sind einige Grabsteine und andere Inschriftensteine ausgestellt. Nicht alle, aber einige sind Grabsteine von Gladiatoren. Eine Inschrift lautet: Actius, ein Murmillo, hatte sechs Siege errungen und starb mit 21 Jahren. Seine Ehefrau setzte ihm den Stein aus eigenen Mitteln. Danach folgt eine ungewöhnliche Formel: Was auch immer jemand dem Toten wünsche, das mögen die Götter diesem Menschen selbst widerfahren lassen — im Leben wie im Tod. Eine Art goldener Regel praktischer Ethik.
Eine andere Grabinschrift nennt Amandus. Er wurde in der von Kaiser Nero gegründeten Gladiatorenschule in Capua ausgebildet und kämpfte als Murmillo. Er kam bereits als Sklave zur Welt, stammte aus der norditalienischen Stadt Placentia, war 22 Jahre alt und hatte 16 Kämpfe oder Siege vorzuweisen. Das Begräbnis und den Grabstein hat Pudens, ein Freigelassener, bezahlt, wie der Inschrift zu entnehmen ist. Wahrscheinlich ein Kampfgefährte oder Freund. Ein weiterer Grabstein nennt den Gladiator Probus. Auch er war ein Murmillo und offenbar ein außerordentlich guter Gladiator. Er kam aus Germanien und absolvierte außergewöhnliche 99 Kämpfe. Errichtet wurde der Grabstein von seiner Frau Volumnia Sperata und seinem Sohn Publius Volumnius Vitalis. Interessant ist, dass Probus’ Sohn den Namen eines römischen Bürgers trägt, ebenso seine Frau. Welchen Status hatte dann Probus selbst? Wurde er aufgrund seiner Siege in der Arena freigelassen? Oder war er ein freier Bürger, der sich aus eigenem Willen zum Dasein als Gladiator verpflichtete und den Kampfnamen Probus annahm?
Nicht alle Inschriften sind für Gladiatoren. Eine Grabinschrift wurde für einen römischen Legionär erstellt. Marcus Septicius war ein Aquilifer, der Adlerträger einer römischen Legion. Der Text lautet: Marcus Septicius, Sohn des Gaius, aus der Tribus Papiria, Adlerträger einer Legion, ließ dieses Grabmal für sich selbst errichten, außerdem für Sabina, seine contubernalis, und für Marcus Septicius Martialis, seinen natürlichen Sohn, einen Freigelassenen des Marcus. Der Junge starb mit 10 Jahren und 7 Monaten.
Seine Frau Sabina erscheint auf dem Stein nicht als Ehefrau, sondern als contubernalis, als Lebensgefährtin. Das spricht für eine eheähnliche, aber rechtlich nicht vollgültige Verbindung. Der in jungen Jahren verstorbene gemeinsame Sohn Martialis wird zugleich als filius naturalis und als Freigelassener des Marcus Septicius bezeichnet. Vielleicht war Sabina seine Sklavin, als sie das Kind bekam. Deshalb wird Martialis leiblicher Sohn genannt und nicht einfach nur Sohn im rechtlichen Sinne, wie es bei Septicius und seinem Vater Gaius ist. Septicius stammte wohl aus Oberitalien, wo die Städte zum Stimmbezirk Papiria gehörten. Ungewöhnlich ist, dass der Name seiner Legion nicht genannt ist. Adlerträger wird man nicht, weil die Stelle gerade frei ist und man in der Nähe ist. Solche Männer waren kampferfahrene und respektierte Soldaten, oft mit langer Dienstzeit in ihren Einheiten und mit entsprechendem Stolz. Am Ende der Inschrift ist noch festgehalten, dass das Grabmal nach dem Tod von Septicius und Sabina nicht an die Erben übergehen soll. Es sollte also ein dauerhaft gebundener Erinnerungsort bleiben und nicht durch die Erben genutzt oder veräußert werden können.
An einer Stelle im Museum sind drei unterschiedlich gut erhaltene Ehreninschriften ausgestellt. Eine für Gaius Annius Lepidus Marcellus. Der Stadtrat hat beschlossen, ihm zum ehrenden Andenken eine Reiterstatue aufzustellen. Man nimmt an, dass er es als erster seiner Familie geschafft hat, römischer Senator zu werden. Er starb jedoch zu Beginn seiner senatorischen Karriere. Die Inschrift führt aus, dass seine Mutter Quintia Galla die Ehrung annahm und auch die Kosten übernahm. Ein Text ehrt Licinia Rufina, Tochter des Quintus, als Priesterin auf Lebenszeit. Der Stadtrat widmet ihr wegen ihrer Verdienste eine Bronzestatue. Sie nimmt die Ehrung an und erlässt der Stadt die Kosten. Schließlich noch Lucius Iunius Paulinus, Sohn des Publius, aus der Tribus Sergia. Er war oberster Stadtrat, Priester des Kaiserkultes in Corduba und der ganzen Provinz. Aus Anlass seiner Priesterwürde finanzierte er Gladiatorenspiele, Theateraufführungen und Statuen im Wert von 400.000 Sesterzen. Da hat jemand tief in die Tasche gegriffen. Sicher nicht nur aus Altruismus.
Webseite des Archäologischen Museums von Córdoba und Eintrag auf Google Maps.













Schreibe einen Kommentar