
Schon die römische Republik wusste: Macht braucht Grenzen, Ämter brauchen Kontrolle, und Institutionen dürfen nicht vom Charakter einzelner Personen abhängen. Viele Probleme heutiger Vorstände, Geschäftsführungen und Aufsichtsgremien – nicht nur in gemeinnützigen Organisationen – kannten auch die alten Römer bereits. Sie hatten Lösungen, die wir heute oft auch noch verwenden. Nicht immer funktioniert es. Heute wie vor 2000 Jahren.

Macht und Gegenmacht: Viele Aufsichtsräte nicken zu viele Vorlagen aus dem Management ab. Nachfragen stören und Kritik gilt schnell als illoyal. Die Römer hätten ein Veto eingebaut. Zwei Konsuln, Gegenmacht, Widerspruch: vielleicht nicht immer effizient, aber wirksam gegen Alleingänge.

Ämter auf Zeit: Heute bleiben Gründerinnen und Gründer oft zu lange im Amt. Die Organisation wird mit der Person verwechselt. Die Römer hätten darauf mit Amtszeitbegrenzung reagiert: Annuität statt Dauerherrschaft. Wer führt, muss auch wieder gehen können.

Führung mit Vorbereitung: Vorstandsämter werden oft nach Namen, Netzwerk oder Status vergeben. Fachliche Vorbereitung fehlt. Die Römer hätten den Cursus Honorum verlangt: erst kleinere Aufgaben, dann Verantwortung. Führung musste gelernt werden.

Krisen nicht als Dauerzustand: Interimslösungen, Sondervollmachten und Krisenstäbe bleiben manchmal länger als die Krise selbst. Die Römer hätten Lucius Quinctius Cincinnatus als Vorbild genommen: Macht übernehmen, Problem lösen, Macht zurückgeben.

Auf die Fakten hören: Evaluationen, Kennzahlen und Warnsignale werden häufig so lange umgedeutet, bis sie zur Lieblingsidee passen. Die Römer hätten an die heiligen Hühner erinnert: Wenn das Omen schlecht ist, sollte man nicht die Hühner über Bord werfen, sondern die Finger von der Sache lassen und umsteuern.

Integrität und Transparenz: Das Engagement für die gute Sache ersetzt nicht Ehrlichkeit und Offenlegung. Die Römer kannten die weiße Toga der Bewerber um ein öffentliches Amt. Von ihrer strahlend weißen Toga Candida stammt der Begriff „Kandidat“. Die Farbe Weiß symbolisierte Reinheit und Transparenz.

Keine Ethik ohne Sanktion: Verhaltenskodizes stehen häufig auf Papier, bleiben aber folgenlos. Die Römer hätten Censoren eingesetzt. Nicht jedes Fehlverhalten ist strafbar, aber vieles beschädigt Ansehen und Vertrauen. Dafür braucht es Konsequenzen.

Vorsicht vor Mission Drift: Organisationen investieren in Galas, Magazine und Mitgliedervorteile, während die eigentliche Mission aus dem Blick gerät. Die Römer hätten Panem et Circenses erkannt: Brot und Spiele beruhigen, ersetzen aber keinen Zweck.

Finanzen kontrollieren: Manche Projekte gefährden schnell die Kasse, Schatzmeister werden als Bremser gesehen, das Stiftungsvermögen muss erhalten bleiben. Die Römer hätten einen Volkstribun eingesetzt: eine unabhängige Instanz, die sich querstellt, wenn Vermögen und Vertrauen bedroht sind.

Amt mit Einfluss: Manche haben ein Amt, aber keinen Einfluss. Andere haben keinen Beschlussstatus, prägen aber jede Entscheidung. Die Römer unterschieden Potestas und Auctoritas. Moderne Organisationen sollten keine grauen Eminenzen dulden und Organmitglieder sollten überzeugen statt herrschen.
Das Thema Nonprofit Governance ist hier eine launige Analogie zur römischen Antike. Es ist aber mehr als das. Good Governance soll das ideelle Engagement von Stiftern, Spendern und ehrenamtlich Engagierten vor Missbrauch schützen. Es soll den guten Ruf der gemeinnützigen Organisationen bewahren und das Vertrauen in sie rechtfertigen. In meinem aktuellen Seminar im Studiengang „Nonprofit Management and Governance“ an der Universität Münster haben wir uns wieder mit einer Fallstudie beschäftigt, bei der die Governance versagt hat. Über Jahre wurde eine gemeinnützige Organisation geradezu lehrbuchhaft von Führungskräften betrogen. Was konkret passiert ist und wie es dazu kommen konnte, habe ich hier beschrieben.

Schreibe einen Kommentar