
Wer in der Antike nachts etwas sehen wollte, nutzte Kienspan, Fackeln oder Öllampen. Anfänglich waren es offene Schalenlampen, später geschlossene Formen, die nur noch zwei Öffnungen hatten, zum Eingießen des Öls und zum Einstecken des Dochts. Im zweiten Jahrhundert v. Chr. verbreitete sich dann ein neues Produktionsverfahren, für das man keine Töpferscheibe mehr brauchte. Stattdessen wurden zwei Pressformen für den oberen und den unteren Teil der Lampe hergestellt, oft aus Terrakotta oder Gips, manchmal aus Kalkstein. In beide Formen wurde feuchter Ton gedrückt. Danach nahm der Lampenmacher die beiden noch weichen Tonhälften heraus, setzte sie mit Tonschlicker zusammen und glättete die umlaufende Naht. Einfüll- und Dochtloch wurden geöffnet; anschließend wurde die Lampe getrocknet und gebrannt. Das erleichterte eine arbeitsteilige Produktion: Einige Spezialisten stellten Modelle, Formen und Brände her; angelernte Kräfte übernahmen wiederholbare Produktionsschritte. In römischer Zeit wurden tönerne Öllämpchen so zu einem massenhaft produzierten Alltagsgegenstand.
Betrieben wurden die Öllampen im Mittelmeerraum überwiegend mit Olivenöl. Daneben kamen je nach Region und Verfügbarkeit auch andere Brennstoffe infrage, wie Sesam-, Rizinus-, Nuss- oder Traubenkernöl, pflanzliche Öle, Fischöl oder tierische Fette. Die Dochte bestanden meist aus gedrehten Pflanzenfasern, beispielsweise Flachs oder Papyrus. Länge und Position des Dochtes mussten regelmäßig angepasst werden, denn ein zu weit herausragender Docht rußte stark und verbrauchte mehr Öl.

Solche römischen Öllämpchen gibt es als Repliken nach archäologischen Funden bei einschlägigen Onlinehändlern zu kaufen oder direkt bei spezialisierten Handwerkern auf Römerfesten oder Reenactmentveranstaltungen. Mein ältestes Objekt ist dieses Öllämpchen aus Ton mit hochgebogenem Griff und einem Pferdekopf als Griffabschluss. Es sieht im Profil schöner aus als die flachen Öllämpchen. Allerdings muss ich sagen, dass der dünne Griff wie eine Sollbruchstelle ist, wenn man nicht sehr vorsichtig damit umgeht. Ich weiß, wovon ich rede. Kein Wunder, dass diese Lampenmodelle in der Antike aus Bronze gegossen wurden.
Nachdem ich im archäologischen Museum in Cabra Nachbildungen römischer Öllämpchen mit modernem LED-Licht gesehen hatte, wollte ich das auch ausprobieren. Wie ich dann festgestellt habe, gibt es sogar LED-Lampen, die flackerndes Licht einer kleinen Flamme nachahmen. Außerdem brauchte ich eine Batteriehalterung mit Ein- und Ausschalter und eine 3-Volt-Knopfzelle als Batterie. Das kann man alles im Elektrohandel kaufen oder bei Amazon bestellen. Gerne hätte ich auch noch ein WLAN-Modul integriert, um mein gepimptes Öllämpchen in Apples Smart-Home-Umgebung einzubinden. Dafür reicht der Strom einer Knopfzelle jedoch nicht und dann wäre schnell ein größeres Projekt entstanden. Wie ich recherchiert habe, wären dafür ein WLAN-Mikrocontroller, ein Elektrolytkondensator und entweder ein Batteriehalter mit Schalter für zwei AAA-Batterien oder ein kleiner 3,7-V-LiPo-Akku im Knopfzellenformat (LIR2032) erforderlich. Vielleicht möchte das jemand ausprobieren.

Massenware öllämpchen
Am weitesten verbreitet waren in der Antike die flachen Tonlampen ohne hochgezogenen Griff. Bei ihnen liegt hinten der kleine Griff, in der Mitte das verzierte Bildfeld – der sogenannte Diskus – und vorne die Schnauze mit dem Dochtloch. Die Tonlampen wurden gewöhnlich aus zwei Formhälften gepresst und zusammengesetzt. Anschließend wurde die Lampe häufig mit einem dünnen Überzug aus fein geschlämmtem Ton – einer Engobe – versehen und im Töpferofen gebrannt. Dieser glättete und färbte die Oberfläche und konnte die Durchlässigkeit des porösen Tons verringern.
Dadurch ließen sich dieselben Bildmotive in großer Zahl vervielfältigen. Die Reliefs waren somit keine individuellen Kunstwerke, sondern eine Art antike Serienproduktion. Das runde Bildfeld auf der Oberseite trug ein sehr breites Motivspektrum wie beispielsweise Gottheiten und Szenen aus der Mythologie, Gladiatoren oder Wagenrennen, Herrschafts- oder Siegesmotive oder erotische und sexuelle Darstellungen.
Die obere Reihe zeigt ein Öllämpchen mit einer sexuellen Darstellung. Solche Lampen werden häufig in Ausstellungen gezeigt, doch tatsächlich waren solche Motive nicht überproportional verbreitet. Das Lämpchen in der Mitte zeigt die Heimführung der sterblichen Überreste des Germanicus, eines Großneffen des ersten römischen Kaisers Augustus. Die Darstellung einer Urne und eines prächtigen Schiffes reichte schon aus, um den zeitgenössischen Betrachter ins Bild zu setzen. Hier wurde das Bild noch durch zwei Delphine als Begleiter der Seelen angereichert. Die rechte Öllampe mit dem Gladiatorenmotiv war nicht nur ein praktischer Alltagsgegenstand, sondern mitunter zugleich Souvenir legendärer Kämpfe in Amphitheatern. Manche Öllampen zeigten konkrete Paarungen berühmter Gladiatoren und nannten deren Namen.
Hergestellt wurden die Lampen durch spezialisierte Werkstätten. Überliefert sind Namen oder Marken wie Fortis, Florent, Cresces oder Strobilus, die auf den Unterseiten der Öllämpchen angebracht sind. Ob sie einen Handwerker, einen Werkstattinhaber oder eine etablierte Produktmarke bezeichnen, ist nicht eindeutig zu sagen. Auch ist nicht eindeutig zu sagen, ob es sich immer um Markenware handelte. Erfolgreiche Formen und Marken wurden wohl auch kopiert oder regional nachgeahmt. Solche Abformungen waren durch die erneute Trocknung und den Brand meist etwas kleiner und Relief und Schrift wurden zunehmend unscharf.
Im Römischen Reich müssen über die Jahrhunderte wohl einige hundert Millionen Tonlampen hergestellt worden sein. Was sie gekostet haben, ist nicht sicher bekannt. In der Forschung wird gelegentlich ein Preis von einem As für eine einfache Tonlampe genannt. Eine einfache Tonlampe hätte dann ungefähr so viel gekostet wie eine Portion billigen Weins, weniger als eine tägliche Brotmenge und etwa ein Zehntel des Tagessoldes eines Legionärs. Bronze- und mehrflammige Lampen waren wesentlich teurer. Hinzu kamen dauerhaft die Kosten des Öls.

Das Ende der Öllämpchen
Im westlichen Europa ging die Produktion römischer Öllämpchen seit dem fünften Jahrhundert deutlich zurück. Wachskerzen und billigere Talglichter gewannen an Bedeutung. Im Byzantinischen Reich, in Nordafrika und im östlichen Mittelmeerraum wurden die formgepressten Tonlampen teilweise bis ins neunte oder zehnte Jahrhundert hergestellt. Seit dem späten 18. Jahrhundert entstanden technisch leistungsfähigere Öllampen wie die Argandlampe, später folgten Petroleum- und Gasbeleuchtungen.
Erst um 1900 hielt elektrisches Licht Einzug in die Haushalte und Fabriken. Ende der 1920er Jahre war Berlin noch zur Hälfte nicht an das Stromnetz angeschlossen. Bis in die 1940er Jahre dauerte es, bis in ganz Deutschland die Wohnungen, Geschäfte und öffentlichen Gebäude elektrischen Strom hatten.







Schreibe einen Kommentar