„Der Senat und das römische Volk“ – die bekannte Formel SPQR (Senatus Populusque Romanus) bringt zum Ausdruck, dass sich die Römische Republik als Gemeinschaft zweier Träger der politischen Autorität verstand. Der Senat verkörperte die aristokratische Führungsschicht und die dauerhafte politische Beratung und Leitung des Staates. Das Volk waren die freien Bürger, die in den Volksversammlungen die Magistrate wählen, Gesetze beschließen und politische Zustimmung geben konnten. Selbst während der Kaiserzeit wurde diese Formel weiter auf öffentlichen Inschriften, Ehrenbögen und Monumenten, Münzen, militärischen Zeichen oder offiziellen Widmungen verwendet.

Die Volksversammlungen verschwanden jedoch schon im ersten Jahrhundert, als Kaiser Tiberius die Wahl wichtiger Magistrate vom Volk auf die Senatoren verlagerte. Der Senat überlebte noch mehrere Jahrhunderte und hörte erst im Übergang vom sechsten zum siebenten Jahrhundert auf zu existieren. Seine Macht hatte er bereits zum Beginn der Kaiserzeit verloren, als die Mitglieder des Senats Gaius Octavius, den späteren Kaiser Augustus, nach dem Bürgerkrieg durch immer mehr Ausnahmevollmachten, Gesetze und Senatsbeschlüsse die faktische Alleinherrschaft übertrugen. Wer also regierte Rom?


Neben Volk, Senat und Kaiser mischten aber auch noch andere Kräfte mit. Kräfte ohne formales Mandat, aber mit Einfluss oder Macht. Niemand war näher an einem zukünftigen Kaiser als seine Mutter. Manche Kaisermütter, wie beispielsweise Agrippina die Jüngere, waren zeitweise außergewöhnlich einflussreich. Agrippina verhalf ihrem Sohn Nero auf den Thron, wurde zusammen mit ihm auf Münzen abgebildet, trat bei Staatsakten mit ihm auf und versuchte, seine Regierung zu beeinflussen.

Brot und Spiele gaben die Kaiser dem Volk nicht aus Nächstenliebe. Die Plebs urbana in Rom konnte sich in einen wütenden Mob verwandeln, wenn Getreideversorgung, Spiele und Geldgeschenke zu klein ausfielen oder gänzlich ausblieben. Die Kaiser mussten die Stimmung der Arbeiter, Handwerker, Händler und anderen einfachen Leute ernst nehmen. Ruhe und Ordnung waren ein Zeichen guter Herrschaft. Unzufriedene Massen waren zudem anfällig für Populisten, die sie politisch zu instrumentalisieren versuchten.

Und auch das Heer war nicht nur ein Machtinstrument des Kaisers. Letztlich brauchten die Kaiser die Legionen wohl mehr, als die Soldaten den Kaiser. Zwei Vierkaiserjahre und Bürgerkriege sprechen für sich, was passiert, wenn verschiedene Legionen gleichzeitig ihre Feldherren zum Kaiser ausrufen. Besonders gefährlich waren die Prätorianer. Sie waren die einzige militärische Macht in Italien und Rom und hatten bald den Ruf weg, Kaisermörder und Kaisermacher zu sein.

Damit sind wir beim zweiten Panis Veritatis angekommen. Wie begrenzten die Römer die Herrschaft ihrer Kaiser? Die Antwortmöglichkeiten sind eine Mischung aus Mythos und Realität sowie eher modernen Regelungen. Tatsächlich hatten die Prätorianer oft ihre Hände im Spiel, wenn römische Kaiser starben oder an die Macht kamen. Doch nicht immer, wie uns dieses Panis Veritatis glauben machen will. Die Prätorianer wurden im Jahr 27 vor Christus vom ersten Kaiser Augustus als Leibwache und Eliteeinheit aufgestellt. Nach der Schlacht an der Milvischen Brücke im Jahr 312 wurden sie von Kaiser Konstantin dem Großen aufgelöst.

In diesem Zeitraum sind etwa zwanzig römische Kaiser von Augustus über Tiberius, Vespasian, Titus, Nerva, Trajan, Hadrian, Antoninus Pius, Marcus Aurelius, Lucius Verus, Septimius Severus und andere bis Konstantin der Große eines natürlichen Todes gestorben. Etwa gleich viele römische Kaiser wurden ermordet. Bei gut der Hälfte der Attentate haben die Prätorianer mitgemischt, nämlich bei Caligula, Nero, Galba, Commodus, Pertinax, Caracalla, Elagabal, Pupienus, Balbinus, Numerian und Didius Julianus. Manchmal führten sie das Schwert gegen ihren Kaiser, manchmal führten sie es nicht für ihren Kaiser und ermöglichten so anderen die Tat. Ungefähr ein Dutzend Herrscher wie Otho und Vitellius im ersten Vierkaiserjahr sind in Kriegen gefallen, haben nach verlorenen Schlachten Selbstmord begangen oder wurden vom Sieger hingerichtet.

Kaiser Nero wurde vom Senat zum Staatsfeind erklärt und von den Prätorianern nicht mehr geschützt. Ebenso Maximinus Thrax, der dann von seinen eigenen Soldaten getötet wurde. Das ist durchaus eine Amtszeitbegrenzung durch den Senat. Nur ein Kaiser, nämlich Diokletian, trat freiwillig zurück und ging in den Ruhestand. Man könnte das mit viel Wohlwollen als Amtsniederlegung aufgrund des Alters bezeichnen. Aber eigentlich war es mehr eine freiwillige Amtsniederlegung.

Julia Agrippina, genannt Agrippina die Jüngere. Sie war die Schwester des römischen Kaisers Caligula, die Mutter des späteren Kaisers Nero und Ehefrau des Kaisers Claudius. Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen.
Gaius Caesar Augustus Germanicus, bekannt als Caligula. Brustpanzerbüste des Kaisers Caligula. Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen.

Warum die Torten der Wahrheit zur Antike bei mir Panis Veritatis heißen und wer mich dazu inspiriert hat, habe ich in meinem ersten Beitrag geschrieben. Demnächst gibt es weitere Tortendiagramme, ein paar Ideen habe ich schon. Das Kopfbild zeigt übrigens Ruinen der Kaiserpaläste auf dem Palatinhügel in Rom. Sie gehören zum Archäologischen Park des Forum Romanum.

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