Blick über die Felder und Hügel bei Zama Regia in Tunesien.

In der weiten Ebene von Zama im heutigen Tunesien fand am 19. Oktober 202 vor Christus die entscheidende Schlacht des Zweiten Punischen Krieges statt. Der römische Feldherr Publius Cornelius Scipio stellte sich mit seinen Legionären und verbündeten Truppen dem großen Hannibal entgegen. Der hatte römischen Heeren nur wenige Jahre vorher 218, 217 und 216 an der Trebia, am Trasimenischen See und bei Cannae vernichtende Niederlagen beigebracht. Dank der überlegenen Kavallerie, insbesondere der numidischen Reiter unter dem mit den Römern verbündeten König Massinissa, gelang es bei Zama, die karthagischen Truppen zu schlagen. Der Sieg brachte Scipio den Ehrentitel Africanus ein und Karthago musste harte Friedensbedingungen akzeptieren, darunter hohe Reparationszahlungen und die Abrüstung der Flotte.

Wegweiser zur archäologischen Stätte Zama Regia auf Arabisch und Französisch.
Die Site archéologique de Zama Regia nahe der tunesischen Stadt Siliana.
Geschlossenes grünes Gittertor vor den Ruinen von Zama Regia.
Noch heißt es auf Google Maps, die archäologische Stätte ist öffentlich zugänglich. Doch bei meinem Besuch im April 2024 umschließt ein Zaun das Areal. Hinweise auf Öffnungszeiten finden sich nirgends.
Ende des Gitterzauns mit offenem Zugang zu den Ruinen von Zama Regia.
Den Göttern sei Dank. Der Zaun umschließt noch nicht vollständig die archäologische Stätte der antiken römischen Stadt Zama Regia.

Zur Zeit der Schlacht bei Zama war die Landschaft geprägt von weiten Ebenen, die ideal für die Aufstellung großer Heere waren. Eine landwirtschaftliche Nutzung war weit verbreitet, mit Weizenfeldern, Olivenhainen und Weinstöcken, die das Bild prägten.

Auch mehr als 2000 Jahre später hat sich das Bild nicht groß verändert. Die Region wird immer noch landwirtschaftlich genutzt, wenngleich mit modernen Anbau- und Bewirtschaftungsmethoden. Der Weinanbau spielt kaum noch eine Rolle, aber die Weizenfelder prägen immer noch die Landschaft. Geteerte Straßen, Strommasten und kleinere Ortschaften weisen auf die Moderne hin.

Auf einem Hügel nahe der modernen Ortschaft Siliana liegen die Überreste der antiken Stadt Zama Regia. Hier lassen sich die Ruinen von Gebäuden und Strukturen aus der römischen Zeit besichtigen. Dazu gehören Teile von Fundamenten, Mauerreste und Überbleibsel von öffentlichen Bauten wie Thermen, Tempeln oder Wohnhäusern. Der Tempel, dessen halbhohe Säulen um die Grundmauern der Cella gut zu erkennen sind, stand einst womöglich auf dem Forum der Stadt.

Zama Regia ist eine archäologische Stätte, die nicht zum Programm der geschichtsinteressierten Reisenden in Tunesien gehört, wie das unweit gelegene UNESCO-Weltkulturerbe Thugga. Vielleicht ändert sich das einmal, aber wahrscheinlich nicht. Wer aber dorthin fährt: Neben den Ruinen der Stadt gibt es in der Nähe noch Pfeiler eines Aquädukts und die Überreste einer Zisterne. Und keine fünfzig Kilometer südlich liegt die archäologische Stätte der antiken Stadt Mactaris.

Gerade verlaufende Straße P18 zwischen Feldern und Bäumen auf dem Weg von Dougga nach Zama Regia.
Als hätten die Römer die Straße trassiert. Auf der P18 hinter Dougga (Thugga) auf dem Weg nach Zama Regia.

Die archäologische Stätte von Zama Regia auf Google Maps.

Epilog

Scipio war etwa 33 Jahre alt, als er Hannibal bei Zama am 19. Oktober 202 vor Christus besiegte. Geboren in eine der angesehensten Familien Roms, hatte er den Krieg gegen Karthago schon als Jugendlicher kennengelernt. Bei der Schlacht am Fluss Ticinus soll er seinen verwundeten Vater vor den karthagischen Reitern gerettet haben. Zwei Jahre später überlebte er die Katastrophe von Cannae.

Als sein Vater und sein Onkel im Krieg in Spanien gefallen waren, erhielt Scipio 210 vor Christus dort den Oberbefehl. Er hatte zuvor weder das Amt eines Prätors noch das eines Konsuls bekleidet. Rom setzte in einer schwierigen Lage auf einen jungen Mann mit einem großen Namen. Die Entscheidung zahlte sich aus. Scipio eroberte Neu-Karthago, das heutige Cartagena, und besiegte die karthagischen Heere in Spanien. Dabei verstand er es, militärische Erfolge mit Bündnissen zu verbinden. Die Freilassung einheimischer Geiseln verschaffte ihm Unterstützung, die den Karthagern anschließend fehlte.

Im Jahr 206 vor Christus siedelte er Veteranen seiner Einheiten im neugegründeten Italica an und ging zurück nach Rom, wo er ein Jahr später Konsul wurde. Gegen Widerstände im Senat setzte er seinen Plan durch, den Krieg auf römischen Boden nach Nordafrika zu tragen. Hannibal sollte Italien verlassen müssen, um seine eigene Heimat zu verteidigen. Bei Zama ging dieser Plan auf. Scipio kehrte als Sieger nach Rom zurück und erhielt den Ehrennamen Africanus.

Hannibal und Scipio heute

Den karthagischen Feldherrn, der mit Kriegselefanten die Alpen überquerte und die Römer an den Rand der Vernichtung brachte, kennen heute viele Menschen zumindest dem Namen nach. Scipio, der ihn besiegte und Rom rettete, ist nur denen bekannt, die sich mit antiker Geschichte oder militärischer Strategie beschäftigen.

Scipio gewann den Krieg, die anschaulicheren Geschichten blieben bei Hannibal. Der Historiker Michael Kulikowski bringt diesen Unterschied in einer Besprechung von Simon Hornblowers Doppelbiografie Hannibal and Scipio mit den Elefanten in Verbindung. Sie hielten Hannibals Krieg in der kollektiven Erinnerung lebendig. Scipios taktische Beweglichkeit und seine Bündnispolitik lassen sich weniger leicht auf ein einziges Bild reduzieren. 

Obwohl Scipio auf dem Schlachtfeld siegreich war, verlief sein weiteres Leben wenig glücklich. Seine Erfolge schützten ihn nicht vor den Rivalitäten der römischen Oberschicht. Nach dem Feldzug gegen den Seleukidenkönig Antiochos III., an dem er als Berater seines Bruders teilgenommen hatte, wurden gegen die Brüder Vorwürfe wegen Bestechung und veruntreuter Gelder erhoben. Einzelheiten und Ablauf der Verfahren sind bis heute umstritten. Scipio zog sich schließlich auf sein Landgut bei Liternum zurück. Dort starb er 183 vor Christus. Der Sieger über Hannibal hatte in Rom zuletzt wenig zu gewinnen.

Ganz vergessen ist seine Strategie allerdings nicht. Als ukrainische Truppen im August 2024 in die russische Region Kursk vorstießen, tauchte Scipio in der aktuellen Berichterstattung wieder auf. Selenskyj wie Scipio überschrieb Augusto Minzolini seinen Kommentar in der italienischen Zeitung il Giornale. Der Vergleich lag für ihn darin, den Krieg auf das Gebiet des Gegners zu tragen und diesen dadurch zur Entlastung der eigenen Heimat zu zwingen. So, wie Scipios Afrikafeldzug Hannibal zum Verlassen Italiens gebracht hatte.

PS: Wie sah Scipio eigentlich aus?

Wie Scipio aussah, wissen wir nicht sicher. In der Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen wird ein ausdrucksstarker Marmorkopf mit lockigem Haar mit ihm in Verbindung gebracht. Früher hielt man ihn für Sulla. In der Casa de Pilatos in Sevilla begegnet uns dagegen ein kahlköpfiger Scipio. Diese Büste entstand erst in der Renaissance und folgt antiken Vorbildern, die heute als Bildnisse von Isispriestern gelten.

Marmorporträt eines Römers, ausgestellt als sogenannter Sulla.
Ein berühmter Römer, der sogenannte Sulla. Erstes Jahrhundert vor Christus, Marmor. Inventarnummer 1575, Ny Carlsberg Glyptotek.

PPS: Wer hat mit Scipio gekämpft?

Insgesamt gehörten etwa 25.000 bis 30.000 Soldaten zu Scipios Heer. Sogar namentlich sind einige bekannt. Der römische Geschichtsschreiber Titus Livius erwähnt Quintus Trebellius, einen Centurio der vierten Legion, der bei der Erstürmung Neu-Karthagos als Erster die Mauer überwunden haben wollte. Mit ihm beanspruchte Sextus Digitius, ein Soldat der Flotte, diese Auszeichnung. Scipio verlieh schließlich beiden die Mauerkrone, nachdem es wohl zwischen den Truppenteilen schon zu Handgreiflichkeiten gekommen war. Leider weiß man sonst nichts über die beiden. Anders als z.B. über Marcus Valerius Celerinus, über den ich vor einiger Zeit schrieb.

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